Burn-Out

Der Burn-out Zyklus beginnt meist unbemerkt und verläuft in vier Phasen.

Burn-out Phase 1: Überaktivität

Burnout gefährdete Menschen haben häufig das Gefühl, sich selbst beweisen zu müssen. In Phase 1 sind sie hoch motiviert. Leistungsbewusst und ehrgeizig und neigen zum Perfektionismus.

Das führt dazu, dass eigene Bedürfnisse in zunehmendem masse zurückgestellt und unterdrückt werden. Dem sozialen Umfeld hingegen, den Vorgesetzten, Kollegen, Klienten, Patienten und Familienangehörigen, kommt das aufopferungsvolle Engagement häufig sehr entgegen, denn es bietet reichlich Gelegenheit zur Ausnutzung.

Engagiert bis zur Selbstaufgabe

Viele Burnout gefährdete, sind Idealisten, die selbstlos Hilfe leisten wollen. Zu den schönen Seiten eines helfenden Menschen oder einem helfenden Berufs gehört das Gefühl, gebraucht zu werden. Dieses Gefühl kann aber geradezu süchtig machen. Von da aus ist es nur ein kleiner Schritt zu der Illusion, unersetzlich zu sein. Oft sind es die besten Mitarbeiter, die als Erste ausbrennen.

Burnout Phase 2: Anpassung

Begeisterung, Motivation und Schwung lassen in Phase 2 allmählich nach, Idealismus weicht nüchterner Routine, leise Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Tun‘s schleichen sich ein. Vielleicht wurden Karriereziele nicht erreicht oder man schafft es nicht, seine Erfolge zu geniessen. Zeitdruck und Arbeitsbelastung haben weiter zugenommen und das Hamsterrad der Selbstausbeutung dreht sich schneller denn je. Enttäuschungen und Zweifel werden verdrängt, indem man sich noch mehr in die Arbeit stürzt und dadurch Abstand zu sich selbst und andern schafft.

Um jeden Preis weiter funktionieren

Für Erholung und Ausgleich hingegen bleibt immer weniger Zeit. So gut es eben geht, passt man sich an und versucht, den Stress und die dadurch bedingten beschwerden wie Müdigkeit, Schmerzen, Verspannungen, Ohrgeräusche, Kreislaufstörungen, Zähneknirschen oder Infektanfälligkeit in den Griff zu bekommen – notfalls mit Medikamenten, Alkohol, Nikotin und anderen Drogen.

Gleichgültigkeit können sich breitmachen. Oder es werden Lebenslügen entworfen, die die Situation beschönigen. (Wenn ich pensioniert bin, dann mache ich…. Das gelingt – je nach Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit möglicherweise ausgesprochen lange. Manch einer bleibt sein ganzes aktives (Berufs-)Leben in Burnout Phase 2, bis er im Ruhestand mit schweren körperlichen Erkrankungen zusammenbricht.

Burnout Phase 3: Nachlassen

Zunehmende Ermüdung, nachlassende Leistungsfähigkeit und Resignation kennzeichnen Phase 3. Der Raubbau an den eigenen Kräften, der in Phase 2 über lange Zeit betrieben wurde, rächt sich. Es fällt immer schwerer, den alltäglichen Verpflichtungen nachzukommen und die Aufgaben mit der gebotenen Sorgfalt zu erledigen. Fehler und zwischenmenschliche Konflikte nehmen zu. Weil sich die Situation nicht länger verdrängen oder schönreden lässt, sucht man die Schuld erst mal bei anderen oder bei den äusseren Verhältnissen. Enttäuschung kann somit zur Grundhaltung werden.

Die innere Kündigung

Genussmittel und Tabletten werden oft zu einem grösseren Problem. Innere Befriedigung stellt sich weder im Job noch im Privatleben ein. Man möchte am Liebsten alles hinschmeissen und es können Ausstiegsphantasien (Selbstmordgedanken) aufkommen. Dies ist die Phase der inneren Kündigung. Wer jetzt wach wird, stellt erschocken fest: „Ich bin nicht mehr ich selbst“ und nimmt das zum Anlass, sein Verhalten zu ändern.

Burnout Phase 4: Zusammenbruch

Hier liegt die völlige Erschöpfung vor. Das Gefühl der inneren leere kann Panikattacken und Angststörungen hervorrufen. Initiative und Motivation sind auf dem Nullpunkt angelangt. Man will nur noch schlafen und in ruhe gelassen werden. In vielen Fällen tritt eine schwere Depression ein.

Völlig erschöpft und depressiv

Burnout in diesem Stadium stellt einen medizinischen Notfall dar, der umgehend behandelt werden muss und nicht selten einen längeren Krankenhausaufenthalt notwenig macht. Im Extremfall können Menschen auch an Überarbeitung sterben. In Japan, wo das am häufigsten vorkommt, hat man sogar ein eigenes Wort für Tod durch Überarbeitung: Karöshi. Unmittelbare Todesursache ist meistens ein Herzinfarkt oder Schlaganfall

Die Vier Ebenen des Burn-out

Ebene der Lebenskräfte: Erschöpfung

Ein erschöpfter Mensch fühlt sich müde und abgeschlagen, energielos und ausgepumpt, so als seien die Batterien leer. Die Erschöpfung geht körperlichen Erkrankungen oft jahrelang voraus und sollte als Warnzeichen angesehen werden (Eisenmangel und Vitaminmangel berücksichtigen)

Seelische Ebene: Enttäuschung

Auf der seelischen Ebene wird Burnout meist als Enttäuschung erlebt. Enttäuschung entsteht, wenn sich die Dinge anders entwickeln, als wir das erwarten. Das ist bei den meisten von uns der Fall – bei Burnout gefährdeten jedoch in ganz hohem Masse. Wer enttäuscht ist, fühlt sich gekränkt und zurückgesetzt vom Leben. Dabei liegt die wahre Ursache der Enttäuschung meist in den unrealistischen Erwartungen, die wir ans Leben haben.

Persönlichkeitsebene: Entfremdung

Burnout entsteht von Anfang an aus der Verdrängung und Leugnung der eigenen Bedürfnisse und Grenzen, der eigenen Unzulänglichkeiten, Verletzlichkeit, Ersetzbarkeit – und in zunehmendem Masse der Defizite und Konflikte, die während der Burnout-Zyklus entstehen. Die Verdrängung und Leugnung der Wirklichkeit geht mit einem zunehmenden Rückzug einher. Die letzte Stufe der Realitätsleugnung und des Rückzugs besteht darin, die Verbindung zu sich selbst aufzugeben oder zu verlieren. Ein anderes Wort für die geschilderten Phänomene ist Entfremdung. Man fühlt sich zunehmend getrennt von sich selbst und anderen Menschen. Es mangelt an Einfühlungsvermögen.

Körperliche Ebene: Erkrankung

Meistens werden erst in Phase 4 gravierende körperliche Erkrankungen wie Herz- und Gefässkrankheiten diagnostiziert und häufig als eigenständige Krankheit medikamentös behandelt, ohne die Ursache anzugehen.

KEIN BURN-OUT OHNE STRESS